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TopfFit

- die liebevolle Kommunikation der Babypflege

Erfahrungsbericht

Ich brauche keine Windeln!
Meine Windelfrei-/ KISS-Syndrom-Geschichte

Hallo, ich heiße Mailin, wurde im August 2004 in Berlin geboren und habe einen knapp 3 Jahre älteren Bruder namens Timo. Eigentlich wollte mir meine Mama gar keine Windeln anziehen, von Anfang an nicht. So wie überall auf der Welt, wo die Menschen noch auf ihre angeborenen Instinkte hören. Doch irgendwie kam das alles erst ein kleines bisschen später…

Als ich auf die Welt kam, hatte Mama gar keine Windeln zu Hause. Nur lauter Stofftücher, die sie mir immer unter den Po legte. Es war ja Sommer und daher sehr warm, ich fand es sehr schön, immer mit nackten Beinen und nacktem Po strampeln zu dürfen. Mein Bauchnabel ist schon nach 4 Tagen abgefallen! Weil da soviel Luft rankam, sagte meine Hausgeburts-Hebamme Kathrin Scheler. Übrigens die beste, die es gibt!

Ich durfte immer bei meiner Mama sein, das war richtig schön. Sie trug mich immer in einem Tragetuch, ganz nah an ihrem Herzen, so kuschelig, warm und geborgen, wie im Bauch. Einen Kinderwagen habe ich nie kennen gelernt. Auch hat sie mich gestillt, wann immer ich wollte, das war mit dem Tragetuch besonders praktische, denn sie band es einfach etwas tiefer- so konnte ich stundenlang nuckeln, schlafen, kuscheln und meine Mama konnte trotzdem ganz diskret all ihren Pflichten nachgehen wie z.B. kochen, putzen, einkaufen, etc.… Selbst an der Kasse beim einkaufen konnte niemand sehen, wie ich gemütlich nuckelte…Nicht, dass meine Mama das gestört hätte, aber es ist schon ein wenig nervend beim kuscheln, wenn mich andauernd jemand bestaunen will...

Trotz allem war ich ganz schön unruhig. Ich musste immer ganz fürchterlich viel pupsen und hatte Bauchschmerzen. Mein Kaka war richtig fest, dabei war das doch ungewöhnlich, weil ich doch ausschließlich gestillt wurde. Ich sabberte viel und das Liegen in einer Autoschale bereitete mir Schmerzen. Auch habe ich meinen Kopf am liebsten immer nur nach rechts gedreht, formte im Liegen meist ein „C“ mit dem Rücken, und ich schmiss mich ganz oft ruckartig nach hinten, wenn ich bei Mama im Tragetuch saß oder bei Mama oder Papa auf dem Schoß saß. Da musste man ganz schön aufpassen, dass ich nicht plötzlich im Rückwärtsgang zu Boden segelte! Auf Fotos konnte man auch ganz deutlich erkennen, wie ich meinen Kopf schief hielt und mein Schädel war irgendwie asymmetrisch…Auch mein linkes Auge war ein wenig kleiner als das rechte, aber all das sah man nur, wenn man ganz aufmerksam hinschaute, und zwar so aufmerksam, wie das nur meine Mama oder ein Osteopath konnte.

Mir machte da irgendwas so sehr Schmerzen, dass ich gar nicht klar sagen konnte, dass ich Pipi oder Kaka machen musste. Also kauften wir gemeisam eine Woche nach meiner Geburt Windeln, die ich von da an trug. Als ich dann acht Wochen alt war, erinnerte sich meine Mama an etwas gelesenes, das auf meine Symptome passte. Sie suchte danach im Internet und fand entsprechend viele Informationen. Das Wort lautete „KISS-Syndrom“ und meine Mama war sich sicher, dass ich darunter litt.

Also ging sie zu meiner Kinderärztin, einer netten Homöopathin, die aber anscheinend keinen Schimmer davon hatte, was meine Mama da von ihr wollte…Sie sagte, sie hätte „nur ein bisschen KISS“ und sie solle mich doch einfach jede Nacht auf die betroffene Seite legen, das würde sich dann schnell verwachsen. Und mein festes Kaka sei auch ganz normal… Aber meine Mama glaubte das nicht, sie wusste, dass festes Kaka bei vollgestillten kleinen Babys nicht normal ist und glaubte auch nicht daran, dass es für ein Baby gut sei, etwas zu tun, was ihm ganz offenbar Schmerzen bereitet. Also suchte sie weiter im Internet und bekam von einer befreundeten Stillberaterin und Mutter die Adresse von Dr. Klawunde, ein Osteopath und Spezialist für das KISS-Syndrom, persönlich angelernt von Dr. Biedermann, dem Entdecker dieses Syndroms. Schnell war der Termin gemacht, doch leider hatte er schrecklich lange Wartezeiten, weil er der einzige Arzt aus Berlin ist, der diese Behandlung über die gesetzl. Krankenkasse abrechnete. Also sind wir bei Frau Dr. Harke gelandet, seiner netten Kollegin.

Als wir dann dort waren, am meinen vier-monatigem Geburtstag, änderte sich alles. Sie behandelte mich mit wenigen Handgriffen und ich schlief danach auf dem Nachhauseweg sofort in der Autoschale ein. Was sonst mit ewigem Anhalten, Stillen, Weinen und manchmal auch Streiten verbunden war, war dieses Mal eine wundervoll entspannte Autofahrt! Zu Hause angekommen lächelte ich meine Eltern entspannt an, schaute dann irgendwie erwartungsvoll und machte das Zeichen zum Milchtrinken wollen, indem ich meinen Kopf schmatzend zu ihrer Brust drehte. Nach vielen großen, gierigen Zügen, mit vollem Milchbauch grinsend, merkte ich, dass ich jetzt aber Pipi machen musste und fing dann ordentlich an zu strampeln und zu meckern. Das kam wohl meiner Mama irgendwie komisch vor, weil ich mich dabei vielleicht ganz anders, irgendwie entspannter bewegte. Sie kann das nicht erklären, sagt sie, das muss wohl Intuition gewesen sein. Sie ging mit mir ins Badezimmer, zog mir meine Hose und meine Windel aus und setze sich, ganz hinten an den Klodeckel gelehnt, auf die Toilette und fasste mir unter die Schenkel, sodass ich mich mit meinem Rücken an den Bauch meiner Mama kuscheln konnte, so wie sie es auch kurz nach meiner Geburt einige Male ausprobiert hatte. Nur dieses Mal musste ich ja wirklich Pipi machen! Ich entspannte mich – und zur Überraschung meiner Mama pinkelte ich gleich einen halben Ozean.

Ganz aufgeregt erzählte Mama das dem Papa und allen, die sie kannte. Das war unglaublich! Selbst die Mama konnte das noch gar nicht fassen. Und es änderte sich noch mehr. Ich hörte auf zu sabbern und hatte endlich flüssigen Muttermilchstuhl! Ich hatte keine Bauchschmerzen mehr, musste nicht mehr ständig pupsen und war insgesamt viel entspannter. Ich quengelte nur noch, wenn ich müde war, Hunger hatte oder auf die Toilette musste. Von da an brachte mich Mama immer auf die Toilette, wenn ich ihr sagte, dass ich muss. Sie verstand es auch fast immer, nur, wenn sie abgelenkt war, klappte das nicht. Das dauerte manchmal einfach zu lange, bis Mama kapiert hatte, dass ich muss, dann habe ich einfach in die Windel gemacht. Die hatte ich nämlich noch an, weil noch zu oft was daneben gegangen ist. Ich konnte mein Pipi nämlich noch überhaupt nicht lange halten. Wenn ich gemerkt hatte, dass ich muss, dann musste Mama mich aber sofort abhalten, denn meine Blasenmuskulatur musste ja auch erst wachsen und sich trainieren, mit der Zeit wurden die Abstände zwischen Pipi-sagen und Pipi-machen aber länger. Nur nachts gefiel mir das gar nicht, dass meine Blase immer voller wurde, wenn ich dann meckerte und meine Mama mich zur Toilette brachte, war das immer so kalt und ungemütlich. Schließlich wollte ich ja schlafen und deshalb schrie ich dabei immer ganz laut, ich konnte mich gar nicht zum Pipimachen entspannen. Meine Mama hat dann entschieden, dass ich nachts einfach immer in die Windel machen soll und gibt mir einfach, zum Entspannen und Loslassen, die Brust. So konnte ich dann kuschelnd einfach weiterschlafen. Aber zum Pipimachen werde ich trotzdem jede Nacht wach, wir Babys können nämlich im Schlaf gar nicht Pipimachen. Manchmal merkt meine Mama aber gar nicht, dass ich zum Pipimachen wach wurde. Und manchmal ist die Windel morgens sogar ganz trocken, ich habe dann die ganze Nacht ausgehalten.

Manchmal muss ich natürlich auch Kaka machen, aber dazu quengele ich dann so lange und werde so laut wenn meine Mama nicht reagiert, bis sie es irgendwann kapiert. Kaka mache ich nämlich niemals in meine Windel! Außer einmal, da war ich krank und hatte Grippe. Da hatte ich Durchfall und konnte gar nicht schnell genug Bescheid geben. Aber das dauerte nur einen Tag.

Und als meine Mama plötzlich eine Kuhmilch entdeckt hatte, die so lecker war, dass sie ganz viel davon jeden Tag getrunken hat. So hatte ich 2 Wochen lang Durchfall, ich hab das nämlich gar nicht vertragen. Woher soll ich das auch kennen? Milch trank sie vorher nämlich immer nur ganz selten. Mama wusste überhaupt nicht, woher mein Durchfall kommen könnte. Bis sie ein Buch gelesen hat, das tollste Buch überhaupt, sagt sie. „Geborgene Babys“ von Julia Dibbern. Da steht drin, dass Babys oft Durchfall bekommen, wenn Mamas viel Milch trinken. Also ließ sie die Milch weg und prompt war auch mein Durchfall weg!

Und von da an trug ich meistens nur noch ganz normale Unterhosen mit höchstens einer Damenbinde drin. Damit konnte ich mich viel besser bewegen, besonders beim Krabbeln, ich bin nämlich jetzt schon 8 ½ Monate alt! Eine einfache Unterhose ist dabei viel gemütlicher als eine dicke Windel und lässt sich ganz leicht zum Pipimachen runterziehen und wieder anziehen, ohne dass ich mich erst hinlegen muss. Manchmal geht schließlich noch was daneben, wenn meine Mama eben sehr abgelenkt ist, und das ist nun mal nicht zu vermeiden, weil ich ja noch einen großen Bruder habe, um den sie sich auch kümmern muss.

Alles in Allem ist das alles aber viel schöner als Windeln, sagt Mama, weil sie nicht den ganzen Tag damit beschäftigt ist, diese zu wechseln und zu riechen, ob was drin ist. Meine Mama muss auch viel weniger unterwegs mitnehmen. Keine Popocreme, keine Windeln, nur eine Damenbinde und ein Taschentuch, das reicht meist für einen ganzen Tag. Bei Timo ist auch oft mal die Windel ausgelaufen, was nicht so schön war, oder er hatte Windelausschlag. Ich komme ja mit meinen Ausscheidungen gar nicht erst in Berührung, was natürlich viel hygienischer ist und somit auch allen Ausschlägen und Wundsein vorbeugt.

Meine Mama fühlt sich auch viel mehr mit mir verbunden, sagt sie, weil sie mich genau versteht. Wir sind ganz entspannt dabei, manche Leute verstehen gar nicht, worum es dabei geht. Sie denken, es ist irgendein „Training“, was Mama da macht, dabei verstehen wir uns einfach nur so gut, wir kommunizieren halt miteinander. Ich sage es ihr und Mama hilft mir dann beim machen. Aber manche Leute wollen das auch einfach nicht verstehen, glaube ich, weil sie sich damit eingestehen müssten, dass sie etwas falsch machen, oder sie müssten zugeben, zu faul zu sein oder was auch immer ihre Gründe sind, dazu keine Lust haben zu wollen. Sie sind wohl zu starrsinnig. Viele finden das auch toll und loben mich, wie schön ich schon Pipimachen kann. Denn zugegeben sieht das schon ziemlich niedlich aus, weil ich noch so sehr klein bin.
Mama hat bei mir sogar ein richtig schlechtes Gewissen, wenn sie meine Signale mal ignorieren muss! Weil sie ganz genau weiß, wie widerwillig ich dann in die Hose mache.

Und es ist alles so einfach! Und schön! Und macht uns so glücklich!

Mein großer Bruder Timo ist jetzt 3 ½ und muss immer noch Windeln tragen. Er will nicht auf die Toilette gehen, er ist ganz stur. Er verkrümelt sich immer heimlich in einen Raum, schließt die Tür hinter sich und kommt dann hinter wieder raus, um Mama zu sagen, dass er Kaka gemacht hat und sie das jetzt bitte wegmachen soll. Hm, ich denke, ich bin froh, dass ich nicht meine Kleidung zum Ausscheiden benutzen muss. (Das ist es ja im Endeffekt nur, denn woher soll ein Baby wissen, dass die tollen neuen High-Tech-Windeln mit Ultra-Geleinlage und Mega-Auslaufschutz nicht zur Kleidung gehören, gemacht wird nämlich trotzdem so, dass es hinterher am Popo klebt.) Ist schon irgendwie unanagenehm, ins Nest zu machen zu müssen. Aber er kann ja nichts dafür, denn Mama wusste damals ja noch nicht, dass er gar nicht da rein machen wollte und ihr mit dem kurzen quengeln z.B. nach dem Aufwachen sagte, dass er musste. So hat er sich daran gewöhnen müssen, in die Kleidung zu machen, was jetzt natürlich auch ganz schwer wieder für ihn abzugewöhnen ist.

Viele Grüße,
Eure Mailin

Erfahrungsbericht von Diana | April 2005

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